from Die Offenbarung des Jungen Werthers

from Die Offenbarung des Jungen Werthers

[This is something we’re working on for Fixing Frankenstein — available in the Buy the Books tab sometime August 2020. Don’t feel bad if you don’t speak German, we’ll translate the below into English before the book’s released. The background is that Victor Frankenstein, Elizabeth Frankenstein, Justine Moritz, Henry Clerval, and the monsters Lee & Vuh are leaving their picnic to travel into a book: Goethe’s The Sufferings of the Young Werther. They’re going to try to redirect the book’s action away from its tragic ending.]

Die Offenbarung des Jungen Werthers
Eine wahre, wenn auch seltsame Geschichte
— von Elizabeth Frankenstein erlebt und niedergeschrieben.

Leaving his father and brothers to guard our defenseless bodies for the outward hour our journey required (I say “outward hour” because, as Victor explained, our inner experience of time would be very different than that of our motionless and apparently desouled frames), Victor bat uns alle im Kreis sitzen und gab uns alle ein Schlückchen sein mitgebrachtes Elixier. Mit geschlossenen Augen reichten wir einander die Hände und verschließen die Augen.

Bald verlor ich jegliches Bewusstsein der Außenwelt und es schien mir — und die anderen haben es auch nachher bestätigt — dass wir jetzt alle zusammen durch einen langen gewölbten Stollen gingen. Die Halle war groß und prächtig wie eine Kathedrale — aber anstatt aus Steinen oder Holzbalken waren die Wände und Deckengewölbe vollständig von flackernden Bilder ausgebaut. Also wanderten wir durch Szene aus dem Buch, in — so es uns alle schien — chronologischer Anordnung.

So sahen wir Lotte und Werther beim ersten Treffen in ihrer Stube, ihre Geschwister herumwimmelnd; und dann Lotte und Werther im fröhlichen Einklang im Saal tanzend; aber auch dann die Verlegenheit Lottes und Werthers daraufhin folgenden vorübergehenden Betrübnis. “Also da sagt sie ihm, ‘Albert ist ein braver Mensch, dem ich so gut als verlobt bin’!” rief Justine auf. “Gewiss” stimmte Vuh leise zu.

Also gingen wir weiter, während die Geschichte, die über unsere Köpfe spielte, auch weiter ging. Und so ist Albert nach Hause zurückgekommen; die drei versuchen Freunden zu sein; Werther aber mehr und mehr unter dem Druck frustrierter Leidenschaft zusammenbricht; bis schließlich er eine Stelle in Weimar akzeptiert, in der Hoffnung, dass die Distanz zum Walheim (350 KM / 200 Meilen) ihn seiner Besessenheit befreien würde. Sein Leben im Weimar, und die schöne Bekanntschaft eines schönen Frauenzimmers wird aber sehr schnell von öffentlicher Beschämung (oder vielleicht eher von seinen übertriebenen Empfindlichkeit) zerstört. Er kommt zurück nach Walheim um wieder bei Lotte zu sein, die inzwischen mit Albert verheiratet ist. Und alles sich verschlechtert und sich noch mehr verschlechtert.

Ich soll erwähnen, dass alle Nebenhandlungen schwebten auch über uns; und dass auch jene Teile des Buchs die nur im Geiste Werthers existierten, auch da waren: man sieht, zum Beispiel, Werther beim Schreiben, die Wörter er da schrieb, die begleitende Gesichtsausdrücken, und manchmal auch Bilder einiger verwandten Erinnerungen.

Wir gelangten an die letzte Szene zwischen Werther und Lotte — diejenige wo er ihr seine Übersetzung des keltsichen Heldengedichts Osian vorliest, darüber die beide zugrunde gehen und in Tränen zusammenbrechen, er denn sie umarmt und küsst, sie aber ihn zurückschlägt und entflieht, erklärend, er dürfe niemals mehr zu ihr. Am nächsten Tag — wie geplant — bringt er sich um. Hier, als über die Decke und Wände die beide sich in Tränen verlieren, hebte Victor den Arm, und wir hielten ab. “Zu weit gegangen! Wir müssen ein bisschen zurück, auch wenn wir in dieser Szene ergreifen werden.” Und dann erzählte uns sein Vorhaben.

Er stützte seinen Plan auf der Wirkung von Literatur auf dem menschlichen Verstand. Clerval und Vuh, wenn sie im Prinzip seiner Ideen zwar zwingend fanden, konnten dem Entschluss nicht entkommen, dass bei dieser Stelle in der Geschichte Werther schon zu weit außer Fassung gekommen seien, um uns auf eine literarischen Kur zu verlassen. “Das mag wohl sein,” stimmte Victor zu, “also, ihr zwei bleiben bei seinem Zimmer, falls die Dichtkunst fehlschlägt.”

Mittag 22 Dezember 1772

Lee, Vuh, Victor, Clerval, Justine und ich kamen im Wetzler an. Werther war weg und wurde erst in einigen Stunden zurückkommen. Vuh und Clerval suchten Werthers Wohnung um sie zu überwachen. Bevor wir den Saal der flimmernden Buchszene verließen, hatten Victor, Vuh, Justine und ich uns Pferden vorgestellt. Justine aber hatte zu viel eifer in ihrem Pferde zugetäumt, und der schwarze Hengst wieherte gehetzt, den Kopf (mit dem weißen Diamant unter den Augen mitten im Maulkorb) in jeglicher Richtung herumwerfend, und strampelte wild mit den Hufen, erst vorwärts dann rückwärts springend. Sie blieb also auch zurück, um eine Pferdestall zu finden. Lee und ich ritten nach Wahlheim mit den ausgewählten Textpassagen.

Wir wussten, dass Lotte allein von ungefähr fünf bis halb sieben bleiben wird. Die gezielte Schublade war neben einem offenen Fenster, und nach unseren Beobachtungen der Szenen, hatten wir geschätzt, dass Lees lange Arme die Schublade von draußen öffnen und hineingreifen könnten. Also mussten wir nur auf den richtigen Augenblick abzuwarten.

Zuerst hatten wir so ein Paar Komödie der Irrtümer. Charlotte verließ die Stube; Lee öffnete die Schublade und suchte nach Ossian; Charlotte kehrte plötzlich zurück; der lange Arm Lees zog sich zurück, ohne die Schublade schließen zu können; Lotte kratzte den Kopf und machte die Schublade zu; das alles passierte ein zweites Mal, und Lotte schaute verwirrend um und drückte mit ihrer ganzen Gewicht gegen der Schublade; die Zeit wurde knapp.

“Hebe mich ins Fenster an”, sagte ich.
“Was?”, sagte Lee.
“Jetzt!” sagte ich, indem ich die Passagen aus ihrer Hand nahm.
In einer mühelosen, fließenden Bewegung hob sie mich nach oben, durchs Fenster und auf den Stubenboden.

Glücklicherweise blieb Lotte stumm. Sie saß mir gegenüber auf dem Sofa und mit offenem Mund starrte auf mich als ob ich eigentlich nicht möglich sei.

“Entschuldigen Sie mir bitte die Störung. Ich muss aber Ihre Hilfe bitten. Werthers Übersetzung Ossiads müssen Sie mit diese Passage ersetzen. Hier, ich mache es selbst. Ossiad verstecken wir tief in diesem auf dem Tische liegenden Buch; und da, wo Ossiad war, setzten wir diese ruhigere, süßere Wörter. Für das was demnächst kommt ist Ossiad eine besonders schädliche Literatur; dies ist viel mehr angebracht. Aber ich bitte Ihnen, tue als ob Sie glaubten, dass Ossiad immer noch hier wäre, und forderen Sie ihn an, dir Ossiad vorzulesen. Und kein Wort bitte davon, dass ich hier wäre! Ich bedauere sehr, dass wir nicht mehr geschickt hätte handeln können, aber wenn Sie sowieso natürlich agieren, und, wie gesagt, bitten ihn Ossiad zu lesen, und dann nur dies finden, was Ihnen sehr überrascht, und dann meinen, dass Sie sowie möchten, dass er Ihnen dies vorlese. Wenn Sie bitte das alles so kühn und schauspielerisch wie möglich machen können, könnten wir alle noch Erfolg haben.”

Ich ging zurück ans Fenster. Lotte sagte aber leise — ganz leise, weil ihre Stimme immer noch verschwunden war — , “Halten Sie bitte. Ich verstehe nicht.” Da wendete ich sie sehr Ernst und wohlwollend an, und — mit dem sanftesten Lächeln und als Tränen in den Augen schwankten — antwortete ich, “Sie brauchen nicht alles zu verstehen.” Und da war sie stumm, und, ihre Augen groß und an die meinigen angebunden, gab sie ein sehr kleines aber sehr bedeutendes und viel teilnehmendes Nicken.

Ich kletterte in die Armen Lees und wir versteckten uns im Gebüsch als die Handlung des Buchs uns entgegenkam.

[And then Werther comes to visit Charlotte]

Author: B Willard
Editor: A Whistletown
Copyright: AM Watson

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