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Tag: short stories

In der Bankschlange/In Line at the Bank

In der Bankschlange/In Line at the Bank

Wenn irgendeine überlastete, kleine, magere, matte, vom kalten Rauch riechenden Laufmädchen in einem unebenen grellgelben polyestern Rock und einem zu großen, verblassten, rosa, kurzärmligen, breitgekgragten Hemd mit riesigen plastischen Knöpfen ahnungslos und erschüttert zwinkert und mit schaumigen Speicheln umgegeben offenen Mund lautlos weint während eine große Dame mit massiven kullernden Brüsten und Gesäßbacken in einem schmeichelhaften Nadelstreifrockanzug, ihre lange dünne geschmückten Fingern auf einer niedrigen Marmor bedeckten Theken gespreizt, über die Wehrlose ragte, durch zusammengekniffene Augen, Nüstern, und langem Choralmund an ihr herabschaute, und in falschsüßer Altistin — die sie gelegentlich mit schrillen, abgehackten rachenraumgeborenen Schaulachen unterbricht — erklärte, daß die junge Dame am falschen Ort sei, daß man hier leider keine Zeit für derart geringfügige Konten, daß wenn Online ihre Bedürfnissen nicht entsprechen werden würde, sie eine andere Bank finden könnte, oder — was in diesem Fall fast sicherlich am praktischsten sei — einfach ein Paar Stunden im Betteln verbringen:
vielleicht eilte dann ein junger Praktikant eines gut angesehenen mittelständischen Kaufhauses aus seiner geschätzten Stelle in der langen, mehrmals sich überschlagenden Schlange und, Ledersohlen auf glitzerndem Marmor rutschend, hart an er schwarznussen Bankschalter stösste, das HALT! in großartiger Sicherheit riefe.

Da es aber nicht so ist; eine schöne Dame, die jugendliche Gesundheit aus vollen rosigen Wangen strahlend, ihr zierlicher, kurvenreicher, athletischer Körper freudig in enganliegenden rosa Pulli und schwarzen Hosen umhüllt, mit zurückgeneigtem Kopf in kindlicher Freude lacht während eine große Dame mit massiven kullernden Brüsten und Gesäßbacken in einem schmeichelhaften Nadelstreifrockanzug, ihre langen Fingern an ihren liebenswürdigen — und, wenn der riesige glitzernde Verlobungsring glaubwürdiger Zeuge ist, doch sehr geliebten — Hüften, mimt, indem sie von Seite zu Seite schlängelt und mit künstlich übertrieben hervortretenden Lippen die Hälse pfaut, eine freche Schelterin, entschuldigt sich nochmals und nochmals der Kleine versichert, daß falls sie nicht beim Bankautomaten nicht zurecht komme, Joe — an dem sie jetzt winkert und der, ein gut gelaunter Bär in einem gut anpassenden Anzug, mit einem breiten offenen Hand und einem freundlichen spielerischen ironischen Grimsen (weit offene Auge vorn, Kinn leicht angezogen, flaches Lächeln verschmiert übers angenehme teigige Gesicht) alsbaldig ihrer in süßer Freundschaft gefesselten beruflichen Einsatz anerkennt — ihr helfen würde:
Da dies so ist, runzelt momentan der junge aufrechte Geschäftsmann die Lippe, senkt dann den Kopf, und hebt ihn wieder um erst die prachtvolle mit eisernen römischen Ziffern versehenen Uhr und dann die gewölbten Decke und sein handbemaltes Gebälk unaufmerksam zu studieren.

Copyright: Andrew Watson of Watson Schmatson Lane

Kafka Translations 1: Die Sorge des Hausvaters / The Worries of a Family Man

Kafka Translations 1: Die Sorge des Hausvaters / The Worries of a Family Man

Note on this translation project:

The idea is to aid with German comprehension: First you read the German with the hard words explained; then you read an English translation; and finally you read the original German with perfect comprehension, as if you were Franz Kafka himself!

These short short stories were all part of the story collection “Ein Landartz” (“A Country Doctor”), published in 1919 (Franz Kafka, author; Kurt Wolff, publisher).

German original available (kostenlos, natuerlich) at Project Gutenberg (or at the very bottom of this page). If, deutschlos, you just want to read my English translation, skip to English Translation

I’ve also written an Analysis and Response Story

Die Sorge des Hausvater’s / The Housefather’s Worry
Hausvater: Master of the house, or warden–like at a boarding school.
Or: Housefather, the spiritual head of a household

1. Die einen sagen, das Wort Odradek stamme aus [stammen (aus): come (from)] dem Slawischen und sie suchen [search] auf Grund [auf Grund von: on the strength of] dessen die Bildung [formation] des Wortes nachzuweisen [nachweisen: prove]. Andere wieder meinen, es stamme aus dem Deutschen, vom Slawischen sei es nur beeinflußt [influenced]. Die Unsicherheit [Sicherheit: certainty] beider Deutungen [interpretations] aber läßt wohl [probably, arguably] mit Recht darauf schließen, daß keine zutrifft [zutreffen: be applicable / correct], zumal [particularly as] man auch mit keiner von ihnen einen Sinn [sense, meaning] des Wortes finden kann.

1. Some say that the word Odradek comes from the slavic and on that basis they try to prove the {etymological} formation of the word. Others opine it comes from the German, is only influenced by the Slavic. But the uncertainty of both interpretations arguably justifies concluding that neither is correct, especially as one can’t find a meaning of the word with either one of the supposed explanations}.

1. Die einen sagen, das Wort Odradek stamme aus dem Slawischen und sie suchen auf Grund dessen die Bildung des Wortes nachzuweisen. Andere wieder meinen, es stamme aus dem Deutschen, vom Slawischen sei es nur beeinflußt. Die Unsicherheit beider Deutungen aber läßt wohl mit Recht darauf schließen, daß keine zutrifft, zumal man auch mit keiner von ihnen einen Sinn des Wortes finden kann.

2. Natürlich würde sich niemand mit solchen Studien [studies] beschäftigen [occupy], wenn es nicht wirklich ein Wesen [being] gäbe, das Odradek heißt. Es [neuter from of “it”] sieht zunächst [initially / at first] aus wie eine flache sternartige Zwirnspule [r Zwirn: twine, twist; e Spule: spool], und tatsächlich [actually] scheint [appears] es auch mit Zwirn bezogen [beziehen: to cover]; allerdings [however] dürften [konjunktiv II (subjunctive mood) of dürfen (“may” or “can”)] es nur abgerissene [ragged] , alte, aneinander geknotete [knoten: knot], aber auch ineinander verfitzte [verfitzt: tangled up] Zwirnstücke [pieces of twine] von verschiedenster [verschieden: different] Art [type] und Farbe sein.

2. Naturally no one would occupy themselves with such studies if there wasn’t really a being called Odradek. At first glance it looks like a flat, star-shaped spool of twine. And it actually appears to be covered with twine–although they must be only ragged old twine-scraps of the most different types and colors all knotted up and tangled into each other.

2. Natürlich würde sich niemand mit solchen Studien beschäftigen, wenn es nicht wirklich ein Wesen gäbe, das Odradek heißt. Es sieht zunächst aus wie eine flache sternartige Zwirnspule, und tatsächlich scheint es auch mit Zwirn bezogen; allerdings dürften es nur abgerissene, alte, aneinander geknotete, aber auch ineinander verfitzte Zwirnstücke von verschiedenster Art und Farbe sein.

3. Es ist aber nicht nur eine Spule [spool], sondern [but (in the contrasting sense of “rather”)] aus der Mitte des Sternes [star] kommt ein kleines Querstäbchen [quer: diagonally; r Stab: rod; chen: diminutive] hervor [out of] und an dieses Stäbchen fügt [joins] sich dann im rechten Winkel [rechter Winkel: right angle] noch eines. Mit Hilfe dieses letzteren [latter] Stäbchens auf der einen Seite [side], und einer der Ausstrahlungen [radiance / radiation / emanation] des Sternes auf der anderen Seite, kann das Ganze wie auf zwei Beinen [legs] aufrecht [upright] stehen [stand].

3. But it isn’t just a spool, for a tiny little diagonal rod comes out from the middle of the star, and then, joined at a right angle to this first tiny rod, there is yet another. With the help of this latter rod on the one side and one of the star’s points on the other side, the whole thing can stand upright as if on two legs.

3. Es ist aber nicht nur eine Spule, sondern aus der Mitte des Sternes kommt ein kleines Querstäbchen hervor und an dieses Stäbchen fügt sich dann im rechten Winkel noch eines. Mit Hilfe dieses letzteren Stäbchens auf der einen Seite, und einer der Ausstrahlungen des Sternes auf der anderen Seite, kann das Ganze wie auf zwei Beinen aufrecht stehen.

4. Man wäre versucht [tempted] zu glauben [believe], dieses Gebilde [structure] hätte früher irgendeine [some, any] zweckmäßige [functionable] Form gehabt und jetzt sei es nur zerbrochen [zerbrechen: break]. Dies scheint [seems] aber nicht der Fall [case] zu sein; wenigstens [at least] findet sich kein Anzeichen [sign] dafür; nirgends sind Ansätze [approaches; less common: edges] oder Bruchstellen [Bruch: break; Stellen: places, areas] zu sehen, die auf etwas Derartiges [of the kind] hinweisen [point to] würden; das Ganze erscheint [appear] zwar sinnlos [senseless], aber in seiner Art [way] abgeschlossen [completed, self-contained]. Näheres läßt sich übrigens [incidentally] nicht darüber sagen, da Odradek außerordentlich beweglich [movable] und nicht zu fangen [catch] ist.

4. One would be tempted to believe that this structure once had some practical form and now it’s just broken. However, this seems not the case, at least there’s not sign of it, nowhere are there any visible edges or fractures, which would confirm such an explanation; it’s true that the whole thing appears to be senseless but it is in its own way a whole. To say more is, as it happens, not possible, for Odradek is extraordinarily agile and not to be caught.

4. Man wäre versucht zu glauben, dieses Gebilde hätte früher irgendeine zweckmäßige Form gehabt und jetzt sei es nur zerbrochen. Dies scheint aber nicht der Fall zu sein; wenigstens findet sich kein Anzeichen dafür; nirgends sind Ansätze oder Bruchstellen zu sehen, die auf etwas Derartiges hinweisen würden; das Ganze erscheint zwar sinnlos, aber in seiner Art abgeschlossen. Näheres läßt sich übrigens nicht darüber sagen, da Odradek außerordentlich beweglich und nicht zu fangen ist.

5. Er hält sich [sich aufhalten: stay] abwechselnd [in alternation] auf dem Dachboden [attic], im Treppenhaus [staircase], auf den Gängen [corridors], im Flur [“hall” or “vestibule”] auf. Manchmal [sometimes] ist er monatelang [months-long] nicht zu sehen; da ist er wohl [probably] in andere Häuser übersiedelt [moved, relocated]; doch kehrt [zurueckkehren: return] er dann unweigerlich [unavoidably] wieder [again] in unser Haus zurück. Manchmal, wenn man aus der Tür tritt [steps] und er lehnt [sich lehnen : lean] gerade unten am Treppengeländer [das Geländer: railing], hat man Lust, ihn anzusprechen [speak to]. Natürlich stellt man an ihn keine schwierigen [difficult] Fragen [questions], sondern behandelt [handle] ihn—schon seine Winzigkeit [winzig: tiny] verführt [seduce] dazu—wie ein Kind.

5. He resides alternately in the attic, on the staircase, in the hallways or the vestibule. Sometimes he’s not seen for months; then he’s most likely relocated to other houses; but he inevitably returns to our house. Sometimes, when one steps out the door and he’s leaning on the railing directly underneath, one would like to address him. Naturally one doesn’t ask him any difficult questions, rather treats him—his tininess alone elicits this response—like a child.

5. Er hält sich abwechselnd auf dem Dachboden, im Treppenhaus, auf den Gängen, im Flur auf. Manchmal ist er monatelang nicht zu sehen; da ist er wohl in andere Häuser übersiedelt; doch kehrt er dann unweigerlich wieder in unser Haus zurück. Manchmal, wenn man aus der Tür tritt und er lehnt gerade unten am Treppengeländer, hat man Lust, ihn anzusprechen. Natürlich stellt man an ihn keine schwierigen Fragen, sondern behandelt ihn—schon seine Winzigkeit verführt dazu—wie ein Kind.

6. „Wie heißt du denn?« fragt man ihn. »Odradek,« sagt er. »Und wo wohnst du?« »Unbestimmter [unbestimmt: indefinite] Wohnsitz [(place of) residence],« sagt er und lacht [laughs]; es ist aber nur ein Lachen [laughter], wie man es ohne Lungen [lungs] hervorbringen [produce] kann. Es klingt [sounds] etwa [approximately] so, wie das Rascheln [rascheln: to rustle] in gefallenen Blättern [leaves]. Damit ist die Unterhaltung [conversation] meist zu Ende. Übrigens [incidentally] sind selbst diese Antworten [answers] nicht immer zu erhalten [obtain]; oft ist er lange stumm [silent], wie das Holz [wood], das er zu sein scheint.

6. „So, what’s your name?“ one asks him. “Odradek,” he says. “And where do you live?” “Indefinite residence,” he says and laughs; it is however a laugh like one can only produce without lungs. It sounds a little like the rustling of fallen leaves. With that the conversation is usually at an end. By the way, these answers are not always to be had; often he’s long silent like the wood he appears to be.

6. „Wie heißt du denn?« fragt man ihn. »Odradek,« sagt er. »Und wo wohnst du?« »Unbestimmter Wohnsitz,« sagt er und lacht; es ist aber nur ein Lachen, wie man es ohne Lungen hervorbringen kann. Es klingt etwa so, wie das Rascheln in gefallenen Blättern. Damit ist die Unterhaltung meist zu Ende. Übrigens sind selbst diese Antworten nicht immer zu erhalten; oft ist er lange stumm, wie das Holz, das er zu sein scheint.

7. Vergeblich [in vain] frage ich mich, was mit ihm geschehen wird. Kann er denn sterben [die]? Alles, was stirbt, hat vorher eine Art [type] Ziel [goal], eine Art Tätigkeit [activity, occupation] gehabt und daran hat es sich zerrieben [zerreiben: grind, crush]; das trifft bei Odradek nicht zu [zutreffen: to be applicable]. Sollte er also einstmals [once, formerly] etwa noch vor den Füßen meiner Kinder und Kindeskinder mit nachschleifendem [trailing] Zwirnsfaden [Zwirn: twine; r Faden: thread] die Treppe hinunterkollern [hinunter: down; kollern: roll]? Er schadet [harms] ja offenbar [evidently] niemandem; aber die Vorstellung [notion], daß er mich auch noch [auch noch: (in this instance) as yet (I think)] überleben [outlive] sollte, ist mir eine fast [almost] schmerzliche [painful].

7. In vain I ask myself what will happen to him. Can he die? Everything that dies had previously some kind of goal, some activity upon which it ground itself out; that doesn’t apply to Odradek. Will he then one day, twines trailing, roll down the steps at the feet of my children and my children’s children? He clearly harms no one; but the idea that he might outlive me is almost painful.

7. Vergeblich frage ich mich, was mit ihm geschehen wird. Kann er denn sterben? Alles, was stirbt, hat vorher eine Art Ziel, eine Art Tätigkeit gehabt und daran hat es sich zerrieben; das trifft bei Odradek nicht zu. Sollte er also einstmals etwa noch vor den Füßen meiner Kinder und Kindeskinder mit nachschleifendem Zwirnsfaden die Treppe hinunterkollern? Er schadet ja offenbar niemandem; aber die Vorstellung, daß er mich auch noch überleben sollte, ist mir eine fast schmerzliche.

English Translation

Die Sorge des Hausvater’s / The Housefather’s Worry
Hausvater: Master of the house, or warden–like at a boarding school.
Or: Housefather, the spiritual head of a household

Some say that the word Odradek comes from the slavic and on that basis they try to prove the {etymological} formation of the word. Others opine it comes from the German, is only influenced by the Slavic. But the uncertainty of both interpretations arguably justifies concluding that neither is correct, especially as one can’t find a meaning of the word with either one of the supposed explanations}.

Naturally no one would occupy themselves with such studies if there wasn’t really a being called Odradek. At first glance it looks like a flat, star-shaped spool of twine. And it actually appears to be covered with twine–although they must be only ragged old twine-scraps of the most different types and colors all knotted up and tangled into each other. But it isn’t just a spool, for a tiny little diagonal rod comes out from the middle of the star, and then, joined at a right angle to this first tiny rod, there is yet another. With the help of this latter rod on the one side and one of the star’s points on the other side, the whole thing can stand upright as if on two legs.

One would be tempted to believe that this structure once had some practical form and now it’s just broken. However, this seems not the case, at least there’s not sign of it, nowhere are there any visible edges or fractures, which would confirm such an explanation; it’s true that the whole thing appears to be senseless but it is in its own way a whole. To say more is, as it happens, not possible, for Odradek is extraordinarily agile and not to be caught.

He resides alternately in the attic, on the staircase, in the hallways or the vestibule. Sometimes he’s not seen for months; then he’s most likely relocated to other houses; but he inevitably returns to our house. Sometimes, when one steps out the door and he’s leaning on the railing directly underneath, one would like to address him. Naturally one doesn’t ask him any difficult questions, rather treats him—his tininess alone elicits this response—like a child.

In vain I ask myself what will happen to him. Can he die? Everything that dies had previously some kind of goal, some activity upon which it ground itself out; that doesn’t apply to Odradek. Will he then one day, twines trailing, roll down the steps at the feet of my children and my children’s children? He clearly harms no one; but the idea that he might outlive me is almost painful.

Story: Franz Kafka
Translation: AMW

Original:

Die Sorge des Hausvaters.

Die einen sagen, das Wort Odradek stamme aus dem Slawischen und sie suchen auf Grund dessen die Bildung des Wortes nachzuweisen. Andere wieder meinen, es stamme aus dem Deutschen, vom Slawischen sei es nur beeinflußt. Die Unsicherheit beider Deutungen aber läßt wohl mit Recht darauf schließen, daß keine zutrifft, zumal man auch mit keiner von ihnen einen Sinn des Wortes finden kann.

Natürlich würde sich niemand mit solchen Studien beschäftigen, wenn es nicht wirklich ein Wesen gäbe, das Odradek heißt. Es sieht zunächst aus wie eine flache sternartige Zwirnspule, und tatsächlich scheint es auch mit Zwirn bezogen; allerdings dürften es nur[97] abgerissene, alte, aneinander geknotete, aber auch ineinander verfitzte Zwirnstücke von verschiedenster Art und Farbe sein. Es ist aber nicht nur eine Spule, sondern aus der Mitte des Sternes kommt ein kleines Querstäbchen hervor und an dieses Stäbchen fügt sich dann im rechten Winkel noch eines. Mit Hilfe dieses letzteren Stäbchens auf der einen Seite, und einer der Ausstrahlungen des Sternes auf der anderen Seite, kann das Ganze wie auf zwei Beinen aufrecht stehen.

Man wäre versucht zu glauben, dieses Gebilde hätte früher irgendeine zweckmäßige Form gehabt und jetzt sei es nur zerbrochen. Dies scheint aber nicht der Fall zu sein; wenigstens findet sich kein Anzeichen dafür; nirgends sind Ansätze oder Bruchstellen zu sehen, die auf etwas Derartiges hinweisen würden; das Ganze erscheint zwar sinnlos, aber in seiner Art abgeschlossen. Näheres läßt sich übrigens nicht darüber sagen, da Odradek außerordentlich beweglich und nicht zu fangen ist.

Er hält sich abwechselnd auf dem Dachboden, im Treppenhaus, auf den Gängen, im Flur auf. Manchmal ist er monatelang nicht zu sehen; da ist er wohl in andere Häuser übersiedelt; doch kehrt er dann unweigerlich wieder in unser Haus zurück. Manchmal, wenn man aus der Tür tritt und er lehnt gerade unten am Treppengeländer, hat man Lust, ihn anzusprechen. Natürlich stellt man an ihn keine schwierigen Fragen, sondern behandelt ihn – schon seine Winzigkeit verführt[100] dazu – wie ein Kind. »Wie heißt du denn?« fragt man ihn. »Odradek,« sagt er. »Und wo wohnst du?« »Unbestimmter Wohnsitz,« sagt er und lacht; es ist aber nur ein Lachen, wie man es ohne Lungen hervorbringen kann. Es klingt etwa so, wie das Rascheln in gefallenen Blättern. Damit ist die Unterhaltung meist zu Ende. Übrigens sind selbst diese Antworten nicht immer zu erhalten; oft ist er lange stumm, wie das Holz, das er zu sein scheint.

Vergeblich frage ich mich, was mit ihm geschehen wird. Kann er denn sterben? Alles, was stirbt, hat vorher eine Art Ziel, eine Art Tätigkeit gehabt und daran hat es sich zerrieben; das trifft bei Odradek nicht zu. Sollte er also einstmals etwa noch vor den Füßen meiner Kinder und Kindeskinder mit nachschleifendem Zwirnsfaden die Treppe hinunterkollern? Er schadet ja offenbar niemandem; aber die Vorstellung, daß er mich auch noch überleben sollte, ist mir eine fast schmerzliche.

Short Story Game #1: The Secret Sharer (Part A: Synopsis)

Short Story Game #1: The Secret Sharer (Part A: Synopsis)

Author: Joseph Conrad
Setting: A ship in the Gulf of Siam (now Thailand)
The story was written in 1909. And the simultaneous existence of steam-powered tugboats and sailing ships makes it seem reasonable to suppose the story is set somewhere around that time.

Characters:
The narrator/captain: a young Conway man (meaning he’d trained on the merchant navy school ship the HMS Conway, which was active from 1859 to 1953). He is a good writer and very capable of descriptions both detailed and poetic. He is recalling an event early in his career. His first command.
The first mate:Th older, with outlandish whiskers, taken to ferreting out mysteries (example: how that scorpion got into his inkwell; why that large ship loomed still so far from shore). A bustler-about and given to shouting “Bless my soul, sir! You don’t say so!”, a bit of a gossip and busy-body.
The second mate: younger even than the captain; quiet; given to unsailormanly lolling–or at least caught once in such indulgences.
The Steward: I don’t know if he’s a nervous character or just the constant ordering about from the captain makes him skiddish. He’s described once as “innocent”
The rest of the crew: Not developed. A mass of men who do what they are told.
Leggatt:A Conway a couple year’s younger than the ship’s captain. Same basic physical size of the captain (the other’s sleeping suit fits him and the captain often notices that, with the face obscured, they look like the same person). “He had rather regular features; a good mouth; light eyes under somewhat heavy, dark eyebrows; a smooth, square forehead; no growth on his cheeks; a small, brown mustache, and a well-shaped, round chin. … A well-knit young fellow of twenty-five at most.”
Captain Archbold & His Ship: The captain of the Sephora (Archbold may not be his name: the narrator can’t recall exactly)–a coal carrier out of Liverpool, most recently out of Cardiff (Wales), and now 123 days at sea. The ship can only dock during the high spring tides (because otherwise she’ll run aground) and is waiting for them to come into port. The captain has been at sea 37 years, his wife is on board with him. At the time of his appearance in the narrative he’s still shaken up–apparently by the gale that nearly sank the ship and the murder that happened during that gale. “thin red whisker all round his face, and the sort of complexion that goes with hair of that color; also the particular, rather smeary shade of blue in the eyes. He was not exactly a showy figure; his shoulders were high, his stature but middling—one leg slightly more bandy than the other. … A spiritless tenacity was his main characteristic, I judged.”

Plot: A young captain has just taken over a ship. They are awaiting favorable winds to begin the voyage home to Great Britain. Restless, the captain gives the unorthodox command that all hands will retire and he’ll take the first watch. While on watch, he notices that the rope side ladder had not been pulled in. When he attempts to pull it in, he discovers a human form hanging on it. At first he believes he’s found a corpse, presently he discovers a living man a few years younger than himself. This is Leggat, also a Conway man, and the former first mate of the Sephora–the ship anchored far out in the bay which the captain had recently learned about from his own first mate (who’d gained the intelligence from a tugboat captain). Leggat tells the captain his story: a trying gale when all were at wit’s end; an impudent hand talking back; a scuffle between the two; his hands around the scalawag’s neck; the sea spilling over the top of the ship and smashing out his consciousness; and–per the story’s later related to Leggat–his hands still around the now dead man’s neck when they were found smashed up by the forebitt [a post at the ship’s foremast]; also, during that scene, in Leggat’s version, he took command of the situation and had the main sail shortened, which both he and Captain Archbold claimed saved the ship–however, in Archbold’s narration he gave the decisive orders. The captain and crew consider Leggat a murderer and the captain is intent on bringing him to the law (at one point Leggat had asked the captain to leave his door unlocked so he could swim off to some uncivilized island; the captain refuses). Leggat and the very sympathetic narrator (who shows no sign of doubting Leggat’s version–at least not now when he, a much older man, finally finds the time to relate the tale) see the situation more ambiguously. Leggat mentions more than once that he’s a parson’s son, and he claims to be more appalled at the thought that a judge and jury back in England should be given the power to judge his actions–whose circumstances are so completely foreign to them–, than at the noose they’re likely to decide upon.

The bulk of the narration describes the narrator’s difficulties hiding Leggat from his own crew, and then the captain of the Sephora, and then again his own crew. The crew is suspicious almost immediately, and the captain, also almost immediately, identifies so strongly with the man he’s hiding that he half thinks that he’s now been physically doubled and is leading two lives. In the end, he brings the ship dangerously close to shore in order to give his double the best possible chance to make it to shore (to what the captain believes is the Koh-ring island [must be “Koh-Rong”, off the shore of Cambodia, and so still in the Bay of Thailand]). The ship comes dangerously close to running aground, but thanks to the hat that the captain had given his secret friend, and which the friend had let fall into the sea, the captain is able to understand the ship’s relationship to the current well enough to steer her towards safety. Cheers go up from the crew, and all is well: “Walking to the taffrail, I was in time to make out, on the very edge of a darkness thrown by a towering black mass like the very gateway of Erebus—yes, I was in time to catch an evanescent glimpse of my white hat left behind to mark the spot where the secret sharer of my cabin and of my thoughts, as though he were my second self, had lowered himself into the water to take his punishment: a free man, a proud swimmer striking out for a new destiny.”

Style: Classical: Straightforward, with Lots of physical description and psychological asides.

About the Short Story Game: The idea is to read classic short stories, outline and analyze them, and then write a story response.

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